Das Zertifikat ist frisch, das erste interne Audit läuft – und Ihr Gegenüber antwortet einsilbig. Die übliche Empfehlung lautet: offene Fragen stellen. Richtig. Und nur die halbe Antwort.

Warum öffnet sich ein Mitarbeiter im Auditgespräch nicht?

Bevor jemand antwortet, prüft er meist unbewusst, ob er respektiert, als kompetent wahrgenommen und fair behandelt wird. Fällt eine dieser Prüfungen negativ aus, bleibt er zurückhaltend — nicht aus Unwillen, sondern aus Selbstschutz. Keine noch so gute Frage öffnet, was auf dieser Ebene verschlossen ist.

Wie baue ich als Auditor Vertrauen im Auditgespräch auf?

Nicht durch Auftreten, sondern durch Verbindlichkeit: tun, was man ankündigt, und meinen, was man sagt. Verspricht die QM-Leitung, das System zu bewerten und nicht die Menschen, entscheidet sich im Gespräch selbst, ob das Versprechen hält. Ehrlichkeit ist dabei die Grundlage.

Reicht es, im internen Audit offene Fragen zu stellen?

Ist ein reibungsloses Audit ein gutes Audit?

Harald Dill

Harald Dill ist Sparringpartner, Mediator, QM-Auditor und Berater in München. Seit 2002 begleitet er Führungsteams in komplexen Organisationen dabei, den „rosa Elefanten" im Raum beim Namen zu nennen. Seine Arbeit verbindet zwei Perspektiven, die selten zusammenkommen: den prüfenden Blick des QM-Auditors (TÜV-zertifiziert) und die Beziehungsarbeit des Mediators (Mediator univ., European University Association). Methodisch geprägt durch Gunther Schmidt (Syst-Institut), Trigon Organisationsentwicklung und Business-Aufstellungen sowie durch langjährige achtsamkeitsbasierte Ausbildungen. Autor des Buches „Krisen frei!" (2012). Weitere Stationen und Referenzen auf der Über-mich-Seite.