Wer neu in eine Gruppe kommt, beobachtet zunächst, wie man es hier macht.

Wie stark diese Orientierung an der Gruppe sein kann, zeigte 2013 ein Feldversuch mit wildlebenden Meerkatzen. Forschende boten verschiedenen Gruppen rosa und blau gefärbten Mais an. In jeder Gruppe war zunächst eine der beiden Farben bitter und wurde deshalb gemieden. Welche Farbe das war, unterschied sich von Gruppe zu Gruppe.

Wir halten ihn für sinnvoll. Wir wissen, dass frühes Erkennen eine aufwendige Behandlung verhindern kann. Nur: Heute drängt etwas anderes. Der Nutzen der Vorsorge liegt in der Zukunft, der Aufwand liegt in der Gegenwart.
Monate später waren beide Farben genießbar. Trotzdem hielten die Tiere an der erlernten Auswahl fest. Jungtiere übernahmen die Vorliebe ihrer Mütter. Besonders bemerkenswert war das Verhalten von Männchen, die in eine andere Gruppe wechselten: Sie gaben ihre bisherige Präferenz auf und folgten der dort geltenden Wahl.

Niemand erklärte ihnen die Regel. Sie beobachteten, wie man es in dieser Gruppe machte – und richteten ihr Verhalten danach aus. Die Forschenden zeigten damit, wie kraftvoll soziales Lernen und lokale Gruppennormen Verhalten prägen können. (van de Waal, Borgeaud und Whiten, Science, 2013)

Menschen sind keine Meerkatzen. Unternehmen sind erheblich komplexer. Der Mechanismus ist dennoch bedenkenswert.

Konfliktprävention schafft früh Bedingungen, unter denen unterschiedliche Perspektiven angesprochen werden können, ohne dass daraus Abwertung, Rückzug oder Vergeltung entstehen. Sie will Konflikte nicht abschaffen, sondern ihre unnötige Eskalation verhindern.

Erfahrungen früherer Beteiligter bleiben in Erzählungen, Erwartungen und informellen Regeln erhalten. Neue Mitarbeitende übernehmen diese Deutungen häufig, bevor sie selbst Erfahrungen mit der anderen Seite gesammelt haben.

Harald Dill

Harald Dill ist Sparringpartner, Mediator, QM-Auditor und Berater in München. Seit 2002 begleitet er Führungsteams in komplexen Organisationen dabei, den „rosa Elefanten" im Raum beim Namen zu nennen. Seine Arbeit verbindet zwei Perspektiven, die selten zusammenkommen: den prüfenden Blick des QM-Auditors (TÜV-zertifiziert) und die Beziehungsarbeit des Mediators (Mediator univ., European University Association). Methodisch geprägt durch Gunther Schmidt (Syst-Institut), Trigon Organisationsentwicklung und Business-Aufstellungen sowie durch langjährige achtsamkeitsbasierte Ausbildungen. Autor des Buches „Krisen frei!" (2012). Weitere Stationen und Referenzen auf der Über-mich-Seite.